Tagungsprogramm zum dgs-Bundeskongress
Hier erhalten Sie aktuelle Informationen zum detaillierten Programm mit 3 Keynotes, 18 Workshops, 11 thematischen Vortragssessions mit jeweils vier Beiträgen sowie zu den am Freitag, den 25.09.2026 parallel stattfindenden Formaten Postersession, Sprachheilpädagogischen Messe und NEU: dem Sprach-Café.
Die Tagung beginnt am Donnerstag, den 24. September 2026, ab 15:00 Uhr mit einem reichhaltigen Workshopangebot im Hörsaalzentrum A14.
Die offizielle feierliche Eröffnung des 36. dgs-Bundeskongresses mit den Preisverleihung des Preises „Gute Sprache“ und des Zukunftspreises der dgs mit anschließendem Sektempfang findet ab 18:00 Uhr in der Aula am Campus Haarentor statt.
(Einen detaillierten Lageplan des Campus Haarentor finden Sie hier: https://uol.de/campus-haarentor)
Nach einem reichhaltigen Programm findet am Freitagabend, 25. September 2026 ab 18:30 Uhr der Gesellschaftsabend im "Restaurant Zum Drögen Hasen“ statt. Das Tagungsprogramm endet am Samstag, den 26. September 2026, um 13:30 Uhr.
Das detaillierte Programm folgt in Kürze...
Keynotes
Keynote 1:
Beziehung vor Bildung, Herz über Kopf: Pädagogische Beziehungen als Entwicklungsraum für sprachliche und sozial-emotionale Kompetenzen
Prof. Dr. Janet Langer, Universität Rostock
Zwischen der sprachlichen und sozial-emotionalen Entwicklung besteht ein wechselseitiger Zusammenhang. Beide Kompetenzen entwickeln sich im Wesentlichen in der frühen Kindheit in Abhängigkeit von der Qualität der Interaktionsgestaltung zwischen primären Bezugspersonen und dem Kind. Aber auch die Qualität der pädagogischen Lehrkraft-Lernenden-Beziehung, insbesondere die Fähigkeit der Lehrperson zur Gestaltung von durch Feinfühligkeit geprägte Interaktionen und zum Einsatz von Sprache als Beziehungspflegeinstrument (Camillieri, Rocky & Dunbar, 2024), hat einen signifikanten Einfluss auf die sprachliche und sozial-emotionale Entwicklung von Schüler*innen. Im Beitrag werden die vorliegenden Zusammenhänge einer theoretischen und empirischen Analyse unterzogen. Zudem werden Implikationen für eine bindungsorientierte sprachförderliche pädagogische Praxis aufgezeigt, die die Potenziale des Entwicklungsraums Lehrenden-Lernenden-Beziehung in den Mittelpunkt stellt.
Keynote 2:
Sprache als Karriere-Barriere vs. als Mittel der beruflichen Integration!? Fachliche Qualifikation und betriebliche Integration durch handlungsorientierte Sprachförderung sichern
Prof. Dr. Christian Efing, RWTH Aachen
Die Diskussion um Sprachbarrieren wird in der (Sozio-)Linguistik und Sprachdidaktik schon lange und wiederholt geführt. Seit gut 20 Jahren wird insbesondere das Konstrukt „Bildungssprache“ als Sprachbarriere diskutiert, die Bildungsteilhabe und sozialen Aufstieg bei vorliegenden sprachlichen Auffälligkeiten verhindert. Für berufliches Handeln und die soziale Integration in den Betrieb wird v.a. das Register der Berufssprache als relevant erachtet, daneben soll das Register der Fachsprache die Fachkompetenz vermitteln und unterstützen.
In dieser Keynote werden zunächst berufsrelevante Register wie Bildungs-, Fach- und Berufssprache mit ihren sprachlichen und kommunikativen Charakteristika aus theoretischer und empirischer Perspektive diskutiert, um dann am Beispiel der Sprachförder-App BauliG für literal schwache Auszubildende im Baugewerbe aufzuzeigen, wie diese Register und insb. das Lesen und (Recht-)Schreiben auf Basis empirischer Anforderungserhebungen handlungsorientiert und arbeitsintegriert im Beruf sowie in Blended-Learning-Settings gefördert werden können. Dabei werden der Projekthintergrund (funktionaler Analphabetismus, Ergebnisse der leo- und PIAAC-Studien), die Projektziele, das empirische Vorgehen und das didaktische und methodische Konzept des BMBF-geförderten Verbundprojekts „(Digitaler) Baukasten für die arbeitsorientierte Förderung literaler Grundkompetenzen in (Ausbildungs-)Berufen der Bauwirtschaft“ (2021-2024) vorgestellt und Ergebnisse zum Einsatz der App präsentiert. Vergleichend werden Bezüge zum ebenfalls BMBF-geförderten KOFISCH-Projekt (2020-2023) hergestellt, das auch mit einem handlungsorientierten, aber nicht-digitalen Ansatz die Schreibkompetenz von Jugendlichen im beruflichen Übergangssystem gefördert und die Wirksamkeit der Intervention über drei Kohorten hinweg evaluiert hat. Die Ergebnisdiskussion zeigt anhand von Interviewauswertungen, dass Defizite im sprachlich-kommunikativen Bereich oft auf außersprachliche soziokulturelle Faktoren zurückzuführen sind, die durch Sprachförderansätze nicht zu beeinflussen sind.
Keynote 3:
Schlüsselkompetenz Sprache - Warum Sprache von Anfang an (sozial ungleiche) Entwicklungsverläufe beeinflusst
Prof. Dr. Sabine Weinert, Universität Bamberg
Sprachliche Interaktionen und der Erwerb von Sprache beeinflussen die kindliche Entwicklung frühzeitig und auf vielfältige Weise. In dem Beitrag werden die unterschiedlichen Wege, über die Sprache verschiedenste Entwicklungs- und Bildungsprozesse beeinflusst, auf der Basis von Forschungsbefunden näher beleuchtet. Obgleich viele Fähigkeiten und Fertigkeiten auch ohne Sprache erworben werden können, ist Sprache von besonderer Bedeutung für die kognitive Entwicklung, insbesondere den Wissenserwerb, für den Erwerb von Kompetenzen der Selbststeuerung (exekutive Funktionen, metakognitive Kompetenzen), die sozial-kognitive Entwicklung, wie etwa den Erwerb einer Theory of Mind, sowie die sozial-emotionale Entwicklung. Diese legen wichtige Grundlagen für spätere Entwicklungen, für schulisches und außerschulisches Lernen, für Bildungschancen und -verläufe. Auf welche Weise Sprache die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung beeinflusst und welche Bedeutung ihr für sozial ungleiche Entwicklungs- und Bildungsverläufe zukommt, steht im Vortrag im Vordergrund. Dabei wird sowohl auf Befunde aus größeren Längsschnittstudien zu Einflüssen von Sprache auf kindliche Entwicklungsverläufe und die Beziehungen zwischen verschiedenen Entwicklungsbereichen eingegangen als auch auf die Rolle, die unterschiedliche Umweltmerkmale, wie familiäre Hintergrundvariablen, Merkmale der Erwachsenen-Kind Interaktion, hierbei spielen und welche Bedeutung dies für Förderungen hat.
